Zurück zur Übersicht

Mit Mustapha Ouammi Marokko entdecken

Vom Hohen Atlas in Marokko zog es ihn in die Zentralschweiz. Der Reiseleiter Mustapha Ouammi lebt seit 15 Jahren in Luzern. Er kennt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Kulturen und verrät, wie er Gästen sein Geburtsland näher bringt.

Sie sind sowohl in der Schweiz als auch in Marokko heimisch. Was schätzen Sie an den beiden Ländern?

Mustapha Ouammi: Ich habe tatsächlich das Glück, zwei Zuhause zu haben. Wenn ich in Marokko bin, vermisse ich die Schweiz – und wenn ich hier bin, vermisse ich Marokko. An Marokko fasziniert mich die unglaubliche Gastfreundschaft der Menschen und die Vielfalt des Landes – auf allen Ebenen, von der Sprache über die Musik bis hin zur Küche. Die Menschen nehmen sich Zeit füreinander. Hier in der Schweiz bewundere ich die Verlässlichkeit, Präzision, die Organisation und die Natur. Ich geniesse die Ruhe, Sauberkeit und die Ordnung, die hier herrschen.

Gibt es Ähnlichkeiten zwischen der Schweizer und der marokkanischen Kultur?

Die Unterschiede erscheinen gross, aber es gibt tatsächlich Gemeinsamkeiten: Beide Länder sind zum Beispiel mehrsprachig und multikulturell. Während die Schweiz vier Landessprachen und starke regionale Identitäten hat, gibt es in Marokko mit Arabisch und Tamazight zwei Amtssprachen. Im Alltag und in der Wirtschaft ist zudem Französisch weit verbreitet. Die marokkanische Kultur ist ebenfalls von unterschiedlichen Einflüssen geprägt: arabischen, berberischen und europäischen. Wie in der Schweiz gehen in Festen und Bräuchen traditionelle mit modernen Elementen einher. Beides hat nebeneinander Platz. Und so wie Weihnachten in der Schweiz bringt der Ramadan in Marokko die Familien zusammen.

Als Reiseleiter vermitteln Sie zwischen den Kulturen. Wie bringen Sie den Touristinnen und Touristen die fremde Kultur näher?

Ich zeige den Menschen nicht nur Sehenswürdigkeiten. Wir tauchen auch gemeinsam in den Alltag ein. Zum Beispiel besuchen wir Berberfamilien und kochen gemeinsam oder trinken Tee mit ihnen. Ich bringe ihnen die marokkanische Handwerkskunst oder die Musik der Nomaden in der Wüste näher. Und ich ermutige sie, Fragen zu stellen und offen zuzuhören. So entstehen echte Begegnungen, bei denen man Unterschiede respektiert, aber auch Gemeinsamkeiten entdeckt.

An Marokko fasziniert mich die unglaubliche Gastfreundschaft der Menschen und die Vielfalt des Landes.

Lauern in Marokko Fettnäpfchen?

Es gilt ein paar Grundregeln zu beachten. Erstens: Viele Familien – besonders in Berberhäusern – erwarten, dass man die Schuhe am Eingang auszieht. Zum Essen oder, um etwas zu überreichen, sollte man immer die rechte Hand benutzen, denn die linke Hand gilt als unrein. Sehr geschätzt wird, wenn man vor allem älteren Menschen gegenüber Respekt zeigt, indem man ihnen den Vorrang lässt und sie freundlich grüsst. Ist man zum Essen eingeladen, wartet man auf ein Zeichen des Gastgebers, bevor man mit dem Essen beginnt. Zurückhaltung ist beim Körperkontakt geboten: Fremde oder Personen des anderen Geschlechts sollte man nicht anfassen; Hände schütteln ist okay, aber nur mit der rechten Hand. Und schliesslich sollte man sich besser nicht allzu freizügig kleiden und die Schultern und Knie bedecken, besonders in ländlichen Regionen.

Welche Naturhighlights darf man in Marokko auf keinen Fall verpassen?

Oh, es gibt unglaublich viele … Meine zwei Tops sind das Atlasgebirge mit seinen imposanten Gipfeln und tiefen Schluchten, grünen Tälern und traditionellen Berberdörfern sowie die Sahara-Wüste.

Was macht für Sie die Faszination der Wüste aus?

In der Wüste erlebt man eine starke Verbindung zur Natur. Zeit und Raum werden anders empfunden. Man spürt dort eine Ruhe, die man in unserem hektischen Alltag kaum noch findet. Der nächtliche Sternenhimmel, das langsame Leben der Nomaden und die Farben des Sonnenuntergangs sind unvergesslich. Die Sahara ist für mich ein magischer Ort. Es gibt hier extreme Hitze und Kälte, gleissendes Licht und absolute Dunkelheit. Diese Extreme machen die Erfahrung intensiv und einzigartig.

Weitere Blogbeiträge